Taktische Verwundetenversorgung · NATO-Standard
TCCC
Tactical Combat Casualty Care — die Minuten, in denen sich entscheidet, ob eine überlebbare Verwundung überlebt wird.
Worum es geht
Die drei Dinge, an denen Menschen sterben, bevor Hilfe da ist
Wer an einer Verletzung stirbt, stirbt in den allermeisten Fällen nicht an etwas medizinisch Unlösbarem. Er stirbt an einer Blutung, die niemand gestillt hat, an einem Atemweg, den niemand frei gemacht hat, und an Auskühlung, die niemand verhindert hat. Genau diese drei Dinge sind der Kern von TCCC — und sie brauchen keinen Arzt, sondern jemanden, der es geübt hat.
Tactical Combat Casualty Care ist die Versorgung von Verwundeten unter Bedingungen, unter denen die normale Rettungskette nicht greift: Die Lage ist nicht sicher, Material ist knapp, professionelle Hilfe ist weit weg, und der Ersthelfer ist kein Sanitäter, sondern der Mensch, der zufällig danebensteht. Das System stammt aus dem US-Militär, ist seit den 1990er Jahren im Einsatz erprobt und wird bis heute fortlaufend an neuen Daten geschärft.
In drei Tagen lernst Du das vollständige Vorgehen — nicht als Vortrag, sondern an Übungspuppen, an Deinen Partnerinnen und Partnern, unter Zeitdruck, im Dunkeln und mit Handschuhen an.
„Die beste Medizin auf dem Gefechtsfeld ist Feuerüberlegenheit."
Grundsatz der Taktischen Verwundetenversorgung
Einordnung
Warum das gerade jetzt zum Standard wird
TCCC ist längst nicht mehr die Sonderlocke einzelner Spezialkräfte. Die NATO hat das Phasenmodell — Versorgung unter Beschuss, taktische Versorgung vor Ort, Versorgung während des Transports — im Standard AMedP-8.12 „Military Acute Trauma Care Training" (STANAG 2544) verankert, und das NATO-Zentrum NMIOTC bildet Combat Lifesaver nach TCCC aus. Die Richtlinien selbst schreibt das Committee on Tactical Combat Casualty Care laufend fort — zuletzt mit Änderungen, die 2026 greifen.
In Deutschland zieht das durch: Die Bundeswehr bildet ihre Einsatzersthelfer nach TCCC-Richtlinien aus, Stufe A verpflichtend in der Grundausbildung. Auf der zivilen Seite übernehmen Polizei, Spezialeinheiten, Feuerwehr und Rettungsdienst zunehmend TECC — dieselbe Logik, andere Rahmenbedingungen.
Kurz: Wer beruflich in dieses Feld hineinwächst, wird TCCC ohnehin lernen. Die Frage ist nur, ob als Häkchen auf einem Nachweis oder als etwas, das im Ernstfall sitzt.
NATO
- AMedP-8.12 / STANAG 2544 — „Military Acute Trauma Care Training"
- Phasenmodell: Care under Fire · Tactical Field Care · TACEVAC
- NATO-Kurs 26000 „TCCC / Combat Lifesaver" am NMIOTC
Bundeswehr
- Einsatzersthelfer A: 30 Unterrichtsstunden, verpflichtend in der Grundausbildung
- Einsatzersthelfer B: 50 bis 55 Unterrichtseinheiten mit erweiterten Maßnahmen
- Ausbildung nach den TCCC-Richtlinien
Zivile Seite
- TECC als zivile Adaption, seit 2011 vom C-TECC gepflegt
- Relevant für Polizei, Spezialeinheiten, Feuerwehr und Rettungsdienst
- Gleiche Reihenfolge, andere Evakuierungswege
Das System
MARCH-PAWS — die Reihenfolge, die unter Stress trägt
Unter Stress verliert man den Überblick. Deshalb arbeitet TCCC nicht mit medizinischem Bauchgefühl, sondern mit einer festen Reihenfolge: Erst das, was innerhalb von Minuten tötet, dann alles andere. MARCH führt Dich durch die lebensbedrohlichen Probleme, PAWS durch das, was danach kommt. Diese neun Buchstaben sind das Rückgrat des ganzen Seminars — am Ende arbeitest Du sie ab, ohne nachzudenken.
M · Massive Haemorrhage — kritische Blutung
Tourniquet unter Stress anlegen, Wound Packing, Druckverband. Die Maßnahme, die statistisch die meisten Leben rettet — und die am häufigsten zu spät kommt.
A · Airway — Atemweg
Freimachen und Freihalten: Handgriffe, stabile Seitenlage, Nasopharyngealtubus. Wann ein Atemweg zum Problem wird und woran Du das erkennst.
R · Respiration — Atmung
Thoraxtrauma erkennen: Spannungspneumothorax, offene Brustwunde, Chest Seal und Nadeldekompression — und die Zeichen, dass es schlechter wird.
C · Circulation — Kreislauf
Blutungen nachkontrollieren, Schock erkennen, Zugänge und Volumen. Und der Grundsatz, dass jede Sekunde ohne Blutstillung teurer ist als jede Infusion.
H · Hypothermia & Head — Auskühlung und Kopf
Wärmeerhalt ab der ersten Minute, auch im Sommer. Dazu die Einschätzung des Schädel-Hirn-Traumas und was daraus für Lagerung und Transport folgt.
P · Pain — Schmerz
Analgesie nach Schema, die Grenze zwischen Erster Hilfe und Heilkunde — und warum Schmerzkontrolle keine Nettigkeit ist, sondern Kreislauftherapie.
A · Antibiotics — Antibiose
Wundinfektionen entstehen früh. Was die Richtlinien vorsehen, welche Präparate genannt werden und wie sich das in Deutschland rechtlich darstellt.
W · Wounds — Wunden
Die übrigen Verletzungen: Verbrennungen, Augen, Amputationen. Und die Dokumentation auf der Casualty Card, damit die nächste Stufe weiß, was passiert ist.
S · Splinting — Schienung
Frakturen und Beckenverletzungen stabilisieren, umlagern und tragen, ohne zusätzlichen Schaden anzurichten — mit dem, was gerade da ist.
Aufbau
Drei Phasen — weil sich mit der Lage ändert, was sinnvoll ist
Die größte Fehlerquelle in der taktischen Medizin ist nicht die falsche Technik, sondern die richtige Technik zur falschen Zeit. Deshalb trennt TCCC die Versorgung in drei Phasen. Jede hat ihren eigenen, kurzen Katalog dessen, was jetzt dran ist — und dessen, was warten muss.
Care under Fire
Unter Beschuss
Deckung suchen, Feuerüberlegenheit herstellen, den Verwundeten aus der Gefahr bringen. Medizinisch passiert hier genau eine Sache: die kritische Blutung stillen.
Tactical Field Care
Versorgung vor Ort
Die unmittelbare Bedrohung ist unter Kontrolle. Jetzt läuft das vollständige MARCH-PAWS — systematisch, in fester Reihenfolge, mit dem, was am Mann ist.
Tactical Evacuation Care
Versorgung im Transport
Übergabe an den Transport, Nachkontrolle aller Maßnahmen, Wärmeerhalt und eine Dokumentation, mit der die Klinik etwas anfangen kann.
Unser Unterschied
Bei uns wird geübt, nicht zugehört
Taktische Medizin lässt sich nicht erklären. Ein Tourniquet, das man einmal am Tisch gesehen hat, sitzt im Ernstfall nicht, und ein Wound Packing, das man nie gegen echten Widerstand gemacht hat, ist keins. Deshalb ist der weitaus größte Teil dieser drei Tage praktisch.
Wir halten den Theorieteil bewusst kurz und verlagern ihn, wo es geht, in die Übung selbst: erklären, machen lassen, korrigieren, wiederholen — so oft, bis es auch ohne Nachdenken funktioniert. Bei vielen Anbietern ist der Praxisanteil das, was nach den Folien übrig bleibt. Bei uns ist er die Veranstaltung.
Am dritten Tag läuft alles unter erschwerten Bedingungen: mit Handschuhen, im Dunkeln, im Lärm, an mehreren Verletzten gleichzeitig und mit dem Material, das Du tatsächlich dabei hast — nicht mit dem, das ideal wäre.
Am Material
- Tourniquet — beidhändig, einhändig, an Arm und Bein
- Wound Packing gegen Widerstand, nicht am Kissen
- Chest Seal und Nasopharyngealtubus
- Beckenschlinge, Schienung, Wärmeerhalt
Unter Bedingungen
- Mit Handschuhen und in ungünstiger Körperhaltung
- Bei Lärm, Zeitdruck und schlechtem Licht
- In beengter Lage, etwa im und am Fahrzeug
- Mit dem Material am Mann statt aus dem Koffer
Im Szenario
- Ein Verletzter, vollständiges MARCH-PAWS
- Mehrere Verletzte, Reihenfolge entscheiden
- Übergabe an den Rettungsdienst
- Casualty Card ausfüllen, während es weitergeht
Einblicke
So sieht das aus
Kein Klassenraum-Seminar: Das meiste passiert am Boden, am Material und gegen die Uhr.
Blutstillung am Bein, unter Aufsicht
Versorgung im Gelände
Zwei Verletzte — Reihenfolge entscheiden
Wundversorgung mit Schutzausstattung
Lagerung und Übergabe
Tragen und Umlagern
MARCH-Karte und Material am Fahrzeug
Das IFAK, mit dem geübt wird
Tourniquet am Bein — Moulage im TrainingLeistungen
Was drin ist
Ausbildung
- Drei Ausbildungstage mit dem vollständigen Vorgehen
- Schwerpunkt Übung und Szenarien statt Vortrag
- Kleine Gruppe, mehrere Ausbilder gleichzeitig
- Unterlagen und Merkkarte zum Mitnehmen
Material
- Übungs-Tourniquets für jede Person, nicht zum Herumreichen
- Wound-Packing-Modelle und Übungspuppen
- Chest Seals, Nasopharyngealtuben, Beckenschlingen
- Sämtliches Verbrauchsmaterial für alle Durchläufe
Nachweis
- Teilnahmebescheinigung der Streetwise Academy
- Ausgebildet nach den aktuellen TCCC-Richtlinien
- Getränke und Verpflegung während der Ausbildungstage
Damit es keine Missverständnisse gibt: Wir unterrichten nach den Richtlinien des Committee on Tactical Combat Casualty Care, sind aber kein NAEMT Training Center. Du bekommst eine Bescheinigung der Streetwise Academy, keine NAEMT-Karte. Wenn Du einen bestimmten Nachweis für Deinen Dienstherrn brauchst, frag uns vorher — wir sagen Dir, ob das passt.
Instruktor*innen
Wer Dich ausbildet
Unterrichtet wird im Team — wer an einem Termin dabei ist, hängt vom Datum ab. Ein Klick auf ein Porträt führt zum vollständigen Profil.
Termin & Preis
Der nächste TCCC-Kurs
Termin
Termin folgt
3 Ausbildungstage
Beginn 9:00 Uhr
Berlin
Sobald der Termin steht
Tarife
Regular
1499 €
Mitglied
1399 €
Alles inklusive: Ausbildung, sämtliches Übungs- und Verbrauchsmaterial, Unterlagen, Merkkarte und Verpflegung an den Ausbildungstagen.
Anfrage & Gruppen
kostenlos
auf Anfrage
auf Anfrage
Anmeldung und Termine laufen bis auf Weiteres direkt über uns.


